Kostenlose Infos zum P-Konto

Vielen Schuldnern ist oft nicht klar, welche Beträge auf dem P-Konto denn jetzt nun vor Pfändung geschützt sind. Leider Gottes wissen auch viele Schuldner nicht, dass ihnen Freibeträge zustehen würden, von denen sie noch nicht mal zu träumen wagten.

Wie sieht es nun aus mit den Freibeträgen beim Pfändungsschutzkonto? Was steht Dir zu? Was musst Du beantragen und wo musst Du es beantragen?

Die Freibeträge beim P-Konto

P-Konto Freibetrag – über diese Freibeträge darfst Du beim Pfändungsschutzkonto verfügen!

Grundsätzlich wird zwischen dem Basisfreibetrag und den Freibetragserhöhungen differenziert. Ersterer wird ohne weiteren Nachweis gewährt. Es reicht aus, sein Girokonto als P-Konto zu führen. Freibetragserhöhungen müssen der Bank bescheinigt werden. Teilweise kann die Bank diese eigenverantwortlich gewähren, teilweise sind jedoch Bescheinigungen von Drittstellen erforderlich. Sie können zu den Bescheinigungen mehr auf unserer Seite zur P-Konto Bescheinigung erfahren.

Basisfreibetrag (Grundfreibetrag, Sockelfreibetrag) und Freibetragserhöhungen!

  • Grundfreibetrag: Derzeit beläuft er sich auf die Summe von 1.178,59€ (ab 1. Juli 2019). Hierbei handelt es sich um einen Pauschalbetrag, über den ohne jeden weiteren Nachweis monatlich verfügt werden darf.
  • Freibetragserhöhungen: Oftmals reicht der Grundfreibetrag nicht aus und es müssen weitere Freibeträge vor der Pfändung geschützt werden. In diesem Falle sind Freibetragserhöhungen erforderlich. Am häufigsten ist das bei Unterhaltsverpflichtungen der Fall. Doch auch bei Einmalzahlungen der Jobcenter oder bei Nachzahlungen kommt es häufig zu Konstellationen, bei denen der Basisfreibetrag alleine nicht ausreicht. Auf die häufigsten Anwendungsgebiete der Freibetragserhöhungen werden wir im Folgenden zu sprechen kommen. Wichtig ist folgender Grundsatz: Freibetragserhöhungen müssen der Bank gegenüber bescheinigt werden!

Der Basisfreibetrag (Sockelfreibetrag) – 1178,59€

Peter, alleinstehend, keine Kinder und keine Unterhaltsverpflichtungen:

Peter, Single, 1000 Euro Nettoeinkommen

Das ist der klassische Fall, in dem nur der Sockelfreibetrag zur Verfügung steht. Auf seinem P-Konto sind die 1178,59€ ohne weitere Nachweise vor der Pfändung geschützt. Darüber hinausgehendes Kontoguthaben wird an den Gläubiger ausgekehrt.

Bei Peter gehen jedoch monatlich nur 1000€ Nettoeinkommen auf sein Girokonto. Als Folge kann auch nichts gepfändet werden. Sein Einkommen wäre in voller Höhe durch den Basisfreibetrag geschützt. Die Kontopfändung führt quasi ins Leere.

Fall 2: Sandra, Single, keine Kinder – Nettoeinkommen 1.500€

Sandra, Single, 1500 Euro Nettoeinkommen

Bei Sandra verhält sich die Angelegenheit ungünstiger. Mit ihren 1.500€ Monatseinkommen liegt sie doch deutlich über der pauschalierten P-Konto Freibetragsgrenze. Sie lebt alleine und leistet keinen Unterhalt. Die Bank würde jetzt monatlich die Differenz aus Nettoeinkommen und Pfändungsfreibetrag an den Gläubiger auskehren.

In diesem Fall wären dies 1.500€ – 1.187,57€ = 312,43€ Auskehrbetrag!

Doch es gibt für Sandra noch eine Möglichkeit, wenigstens ein Teil ihres Guthabens zu retten. Sie kann beim Vollstreckungsgericht einen Antrag nach §850k Abs 4 ZPO stellen. Wir kommen später noch einmal auf Sandra zurück und werden sehen, wie sie das bewerkstelligen kann.

Die Freibetragserhöhungen:

Hast Du Kinder und bist Du unterhaltspflichtig reicht der Grundfreibetrag häufig nicht aus. Ähnliches gilt, wenn Du einmalige Sozialleistungen beziehst. Schnell klettert hier der Betrag über deine persönliche Freigrenze. Analoges gilt ebenso beim Kindergeldbezug oder wenn Du aufgrund einer Krankheit einen gesundheitlichen Mehrbedarf geltend machen kannst. Das sind alles Fälle, die Dich schnellstens über den Grundfreibetrag hebeln können.

  • Hast Du Nachwuchs und beziehst Kindergeld?
  • Bist Du unterhaltspflichtig und bezahlst Unterhalt für weitere Personen?
  • Hast Du eine einmalige Sozialleistung bekommen? (Wohnungserstausstattung, Klassenfahrt, etc.)?
  • Kannst Du einen gesundheitlichen Mehrbedarf geltend machen?

Kannst Du mindestens eine dieser Fragen mit „JA“ beantworten, stehen dir erhöhte Freibeträge zu. Diese erhöhten Freibeträge bekommst Du jedoch nicht automatisch. Du musst der Bank vielmehr eine Bescheinigung darüber vorlegen. Diese Bescheinigung wird oft liebevoll „P-Konto-Bescheinigung“ genannt. Im Amtsdeutsch trägt dieses Formular den weniger netten Namen

„Bescheinigung nach §850k Abs. 5 ZPO über die gemäß §850k Abs. 2 ZPO im jeweiligen Kalendermonat nicht erfassten Beträge auf einem Pfändungsschutzkonto“.

Dies ist ein genormtes Formular, was in Absprache der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung mit der Deutschen Kreditwirtschaft entwickelt wurde. Bundesweit wird es von allen Kreditinstuten anerkannt. In unserem Downloadbereich kannst Du Dir das Formular auch gerne herunterladen.

P-Konto Freibetrag erhöhen

Du erinnerst Dich. Der P-Konto Basisfreibetrag wird Dir pauschaliert und ohne jeden Nachweis auf dem Pfändungsschutzkonto eingeräumt. Benötigst Du eine Erhöhung Deines Freibetrags benötigst Du Bescheinigungen, welche Du Deiner Bank vorlegen musst. Am Gebräuchlichsten ist hierbei die sogenannte „P-Konto Musterbescheinigung“, ein standardisiertes Formular, in welchem die Freibetragserhöhungen eingetragen werden. Dies geschieht beispielsweise durch Schuldnerberatungen, Arbeitgeber, Rechtsanwälte oder auch Sozialbehörden. Im Folgenden zeigen wir Dir die häufigsten Fälle von Freibetragserhöhungen und gehen aber auch auf wichtige Spezialfälle ein.

Der wohl mit großem Abstand häufigste Grund, warum ein erhöhter P-Konto Freibetrag nachgefragt wird, betrifft das Thema Unterhalt.

erhoehte P Konto Freibetraege

1. Unterhaltszahlungen / Unterhaltsverpflichtungen für Ehepartner bzw. Kinder

Für den im Haushalt lebenden Ehepartner wird automatisch eine Unterhaltsverpflichtung angenommen. Das gleiche gilt für im Haushalt lebende eigene bzw. adoptierte Kinder bis zum Abschluß der ersten Ausbildung. Dies gilt unabhängig davon, ob der Unterhalt auch tatsächlich geleistet wird. Analoges gilt für eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften.

Für nicht im gleichen Haushalt lebende Ehepartner oder Kinder kann eine Unterhaltsverpflichtung nur dann in Anspruch genommen werden, wenn eine gesetzliche Verpflichtung für den Unterhalt besteht und dieser auch tatsächlich gezahlt wird.

Gar nichts gibt es für Partner ohne Trauschein sowie für Pflegekinder.

Für die erhöhten Freibeträge benötigt Dein Kreditinstitut eine sogenannte „P-Konto Bescheinigung“.

Für die erste Person, für die Du Unterhalt gewährst, erhöht sich Dein Freibetrag um 426,71€.

Für jede weitere weitere Person erhöht sich Dein Freibetrag um jeweils 237,73€.

Es gelten somit dann folgende Freibeträge:

  • 1.560,51 bei einer Unterhaltsverpflichtung
  • 1.798,24 bei zwei Unterhaltsverpflichtungen
  • 2.035,97 bei drei Unterhaltsverpflichtungen
  • 2.273,70 bei vier Unterhaltsverpflichtungen
  • 2.511,43 bei fünf Unterhaltsverpflichtungen

Unterhalt kann eigenen Kindern sowie dem Ehepartner gewährt werden. Liegt eine eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft vor wird die Unterhaltsverpflichtung ebenfalls anerkannt. Pech haben jedoch unverheiratete Paare. Hier kannst Du Deine Unterhaltsverpflichtung nur geltend machen, wenn Ihr in einer Bedarfsgemeinschaft leben solltet.

Die Unterhaltsverpflichtung reicht im übrigen nicht aus – der Unterhalt muss auch tatsächlich bezahlt werden!

Kindergeld ist unpfändbar

Der Schutz der Kinder und Familie besitzt in Deutschland einen grundgesetzlich gesicherten hohen Schutz. Daraus leitet sich ab, dass Kindergeld in keinem Fall der Pfändung unterliegen darf.

Beziehst Du Kindergeld, erhöht sich Dein Freibetrag entsprechend. In aller Regel lassen die Banken das Kindergeld auch ohne vorliegende Bescheinigung unangetastet. In diesem Fall jedoch muss über das Kindergeld innerhalb von 14 Tagen verfügt werden.

Ist das Kindergeld jedoch in der P-Konto Bescheinigung eingetragen, entfällt diese 14 Tage Regelung und es gelten die allgemeinen Regeln über das Pfändungsschutzkonto.

Einmalige Sozialleistungen

Hierunter versteht man einmalige Leisten der Sozialleistungsträger oder Jobcenter. Dies können beispielsweise Beihilfen zur Wohnungserstausstattung oder für die Klassenfahrt sein. Diese Leistungen sind ebenfalls nicht pfändbar.

Den Banken reicht hier meistens der zum Zahlungseingang zugehörige Bescheid. Oft sogar ist bereits der Verwendungszweck der Überweisung für die Banken ein ausreichender Nachweis. Ansonsten können natürlich auch solche einmaligen Leistungen über die P-Konto Bescheinigung nachgewiesen werden und erhöhen dann den Freibetrag entsprechend.

Ausgleich eines Mehraufwandes aus gesundheitlichen Gründen

Im schönen Amtsdeutsch nennt sich das „Ausgleich eines durch gesundheitlichen Schaden bedingten Mehraufwandes“.

Das kann alles mögliche sein. Beispielsweise eine besondere Ernährungsweise bei Typ 2 Diabetes, Bedarf an teuren Medikamenten und so einiges mehr. Über die Höhe dieser Freibetragserhöhung entscheidet bei privaten Gläubigern das Vollstreckungsgericht bzw. bei öffentlichen Gläubigern die jeweilige Vollstreckungsstelle.

Pfändungsfreibetrag nach Lohnpfändungstabelle ist höher als der P-Konto Freibetrag beim Pfändungsschutzkonto

Dieser Fall ist in der Praxis häufiger anzutreffen. Der Gläubiger pfändet überall, wo er hofft, Verwertbares zu finden. So kann er sowohl beim Arbeitgeber eine Lohnpfändung als auch beim Schuldner eine Kontopfändung durchführen.

Ist der unpfändbare Teil der Lohnpfändung höher als der P-Konto Freibetrag, hat der Schuldner erst einmal ein Problem. Die Bank wird ihm lediglich Guthaben innerhalb der Freigrenzen verfügen lassen.

In diesem Fall ist ein Antrag beim Amtsgericht (private Schulden) oder bei der Vollstreckungsstelle (öffentliche Schulden) zu stellen. In diesem Fall würde dann der P-Konto Freibetrag entsprechend angepasst werden.