P-Konto Leitfaden 2020 –
Schritt für Schritt Anleitung zum handlungsfähigen Konto!

Konto gepfändet? - Hier erfährst Du, wie Du schnell wieder über Dein Geld verfügen kannst. 

P-Konto-Zentrum

Das P-Konto schützt Dich vor den verheerenden Folgen einer Kontopfändung!

  • Dein Konto ist gepfändet?
  • Auf einmal will Dir Deine Bank kein Geld mehr auszahlen?
  •  Der Bankautomat hat gar Deine Karte eingezogen?
  • Du weißt nicht, was Du jetzt tun kannst? 

Keine Sorge!

Wir zeigen Dir hier Schritt für Schritt wie Du am schnellsten wieder zu einem handlungsfähigen Konto gelangst. Und keine Sorgen, du wirst hier kein kompliziertes Juristen-Deutsch lesen, sondern eine klar nachvollziehbare Anleitung in verständlicher Sprache. 

Wenn Du bereit bist, dann können wir jetzt loslegen.

In 3 einfachen Schritten zum Pfändungsschutzkonto

Du brauchst immer und ausnahmslos ein P-Konto, wenn Du verhindern möchtest, dass Dein Kontoguthaben restlos an den Gläubiger ausgekehrt wird. Hier erfährst Du, wie Du in drei einfachen Schritten Dein Konto in ein P-Konto umwandeln kannst.


Die drei Schritte, um Dir den maximalen Betrag auf dem P-Konto schützen zu lassen

  1. 1
    Pfändungsschutz einrichten - Umwandlung in ein P-Konto
    Du führst Dein bisheriges Girokonto als Pfändungsschutzkonto weiter. Antrag bei Deiner Bank 
  2. 2
    Erhöhung des Freibetrags durch P-Konto Bescheinigung oder gerichtlichen Freigabebeschluss
    Eventuell stehen Dir über dem Basisfreibetrag hinausgehende Freibeträge zur Verfügung. Hier erfährst Du welche und wie Du Dir diese sichern kannst.
  3. 3
    Bescheinigungen bei Deiner Bank einreichen
    Verschenke kein Geld und schütze den maximalen Betrag!

Stelle Dir zuerst die Frage, ob Du die Forderung begleichen kannst!

Du brauchst keinen Pfändungsschutz, wenn Du die gepfändete Summe problemlos begleichen kannst

Ja, der gepfändete Betrag ist lächerlich niedrig

In diesem Fall erteilst Du Deiner Bank den Auftrag, die Forderung zu begleichen und die Pfändung ist vom Tisch. Ein P-Konto benötigst Du in diesem Fall nicht und ist auch nicht empfehlenswert.

Ich könnte bezahlen, aber in wenigen Raten

Setze Dich in diesem Fall mit dem Gläubiger in Verbindung und versuche eine Ratenvereinbarung zu erwirken. Stimmt er zu, benötigst Du ebensowenig ein P-Konto. Reagiert er nicht oder zieht die Pfändung nicht zurück, solltest Du unbedingt umwandeln. Immer auch dabei die Fristen beachten!

Nein, in keinem Fall. Die Summe ist zu hoch.

Du benötigst in jedem Fall ein P-Konto!

Ich beziehe nur Sozialleistungen

Auch dann in jedem Fall Dein Girokonto in ein Pfändungsschutzkonto umwandeln.

Reagieren ist besser als nichts zu tun!

Der ultimative Guide zum P-Konto

Kakebo Haushaltsbuch zum Selbstausfüllen

In Japan nutzt jeder das Kakebo, ein intelligentes Haushaltsbuch. Damit lassen sich die Ausgaben um bis zu ca 30% reduzieren.

Ideal für überschuldete Menschen, um ihre Finanzen wieder in den Griff zu bekommen.

Freudvoll raus aus den Schulden 

Simone Milasas hatte 187.000 $ Schulden, als sie merkte, dass sie etwas ändern musste.

Mithilfe der in diesem Buch vorgestellten Werkzeuge war sie nach zwei Jahren komplett schuldenfrei.

Wann Du ein P-Konto benötigst und wann nicht

Du benötigst prinzipiell kein P-Konto, wenn Dein Konto nicht gepfändet ist. Eine prophylaktische Umwandlung macht so gut wie nie Sinn.

Liegt jedoch eine Pfändung vor, musst Du schell in die Puschen kommen. Folgende Frage musst Du Dir zuerst stellen:

"Kann ich die Forderung bezahlen oder kann ich dies nicht?"

Wenn Du bezahlen kannst, dann zahl bitte. Du ersparst Dir sehr viel an Stress und Ungemach, wenn Du Deine Schulden ohne Probleme begleichen kannst.

Das Pfändungsschutzkonto ist zwar eine feine Angelegenheit: Doch sollte man niemals die damit verbundenen Nachteile vergessen. 

"Ja, ich kann bezahlen - Zahlungsauftrag an Bank und das Konto ist wieder frei"

Ist der Betrag überschaubar und Du kannst ihn bezahlen, ohne in Existenznöte zu kommen, dann wäre hiermit die Kontopfändung erledigt. Du erteilst Deiner Bank den Zahlungsauftrag und hebst damit die Kontopfändung auf. Dein Konto ist sofort wieder handlungsfähig und alles ist gut.

Merke: Keine Schulden - keine Pfändung!

"Nein, ich kann nicht bezahlen - Jetzt brauchst Du ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto)"

Du musst wissen, dass Dich nur das P-Konto vor den Folgen der Kontopfändung schützen kann. In der Basisausstattung ist Dein Kontoguthaben bis 1.178,89€ geschützt. Weitere Freibeträge sind möglich. Insbesondere dann, wenn weitere Personen in Deinem Haushalt leben.

Dazu erhältst Du nähere Informationen auf unserer Unterseite über die P-Konto Freibeträge.

Für den Moment geht es jetzt darum, dass Du so schnell wie möglich Dein Konto in ein Pfändungsschutzkonto umwandelst. Denn hierfür hast Du nicht unbegrenzt Zeit. Wartest Du zulange wird die Bank Dein Guthaben an den Gläubiger überweisen. Dann wäre Dein Geld unwiederbringlich weg. Aber das wollen wir ja nicht!

P-Konto Freibetrag, Bescheinigung und wo und wie Du ein Pfändungsschutzkonto eröffnen kannst:

Wie Du Dir den maximalen P-Konto Freibetrag 2020 sichern kannstUnterhalt, Einmalleistungen der Jobcenter,

Was wird bescheinigt? Wer stellt sie aus? Wie lange ist sie gültig?

Viele Menschen befinden sich in einer prekären finanziellen Situation. So ist der

Schritt 1: Wenn Du bei einer Kontopfändung nicht bezahlen kannst, benötigst Du ein P-Konto.

Gehe zur Bank und wandle Dein Girokonto in ein P-Konto um!

Wandle Dein Girokonto in ein P-Konto um!

Das P-Konto ist alternativlos, wenn Dein Konto gepfändet ist und Du nicht bezahlen kannst.

Du bekommst den Pfändungsschutz und das P-Konto jedoch nicht automatisch. Vielmehr musst Du selbst aktiv werden.

Hierin unterscheidet sich die Kontopfändung gravierend von der Lohnpfändung. Bei der Lohnpfändung zieht Dein Arbeitgeber den pfändbaren Betrag Deines Lohnes ab und überweist Dir den Rest. Dein Arbeitgeber sorgt also dafür, dass Dir automatisch der unpfändbare Teil des Lohns ausbezahlt wird.

Hingegen ganz verhält es sich bei der Kontopfändung komplett anders. Hier musst Du selbst aktiv werden. Das Konto wandelt sich nicht von selbst in ein Pfändungsschutzkonto.

DU MUSST ES WANDELN. DU MUSST AKTIV WERDEN!

Es gibt nur auf dem P-Konto Schutz. Bleibst Du inaktiv und wandelst Dein Girokonto nicht um wird gepfändet und sämtliches verwertbare Guthaben an den Gläubiger ausgekehrt.

Um dies zu verhindern hat der Gesetzgeber eine vierwöchige Schutzfrist festgelegt, innerhalb der die Bank nicht auskehren darf. Zeit für Dich zu handeln und Dich um die Einrichtung des Pfändungsschutzes zu kümmern.


Der erste Schritt nach einer Kontopfändung - Du gehst zu Deiner Bank oder Sparkasse und wandelst Dein Girokonto in ein P-Konto um.

Mit diesem wichtigen Schritt sicherst Du Dir Deinen Basisschutz in Höhe von derzeit 1.178,59€. Hierdurch hast Du Dir den Sockelfreibetrag gesichert. Die Bank benötigt von Dir keine Nachweise oder Bescheinigungen. Vielmehr handelt es sich um eine Pauschale, welche nachweisfrei gewährt wird. Ab jetzt kannst Du jeden Kalendermonat frei über diesen Betrag verfügen.

Exkurs: Die Wichtigsten Fakten zum Pfändungsschutzkonto!

Die Keyfakten zum P-Konto

  • Die Bank ist zur Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto gesetzlich verpflichtet. Sie darf nicht ablehnen. Es besteht ein Kontrahierungszwang!
  • Umwandlung muss bis zum 4. auf die Antragstellung folgenden (Bank-)Tag abgeschlossen sein. 
  • Spätestens 28 Tage nach Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses (PfÜB) muss das Konto in ein P-Konto gewandelt sein. Ansonsten geht der rückwirkende Schutz verloren.
  • Ein Guthaben je Kalendermonat in Höhe von 1.178,59€ ist vor Pfändung geschützt - ohne Nachweise.

Sonderfälle: Gemeinschaftskonten und dauerhaft überzogene Konten

Es gibt noch zwei Sonderfälle bei der Umwandlung zu berücksichtigen:

1. Fall: Das gepfändete Konto ist ein Gemeinschaftskonto. Wenn dies der Fall ist, müsste dieses aufgelöst werden und Du dann ein neues Konto aufmachen, welches Du dann als Pfändungsschutzkonto führst. Denn Gemeinschaftskonten können eben nicht umgewandelt werden. Weiter unten, wenn es dann theoretisch wird, kannst Du näheres dazu lesen.

2. Fall: Das gepfändete Konto ist stark und dauerhaft überzogen. Hier spricht man von einem so genannten debitorischen Konto. Da der Pfändungsschutz sich lediglich auf Kontoguthaben bezieht,  machen überzogene Konten beständig Probleme. Also auch hier entweder mit der Bank eine Rückzahlungsvereinbarung treffen oder auf das sogenannte "Zwei-Konten Modell" wechseln. Hierzu dann weiter unten ebenso mehr.

Wir wollen aber jetzt weiter fortfahren mit dem Handlungsleitfaden. Du hast jetzt Dein P-Konto eingerichtet und den Basisschutz gesichert. Jetzt musst Du prüfen, ob Dir vielleicht Freibetragserhöhungen zustehen.

2. Schritt: Prüfe, ob Dir Freibeträge zustehen und besorge die entsprechenden Bescheinigungen

Wenn der Grundfreibetrag nicht reicht, kannst Du diesen erhöhen

Oftmals reicht der Basisfreibetrag nicht aus und Dir können Freibetragserhöhungen zustehen. Der Gesetzgeber hat einige davon ausdrücklich genannt. Die fünf Wichtigsten werden hier in der Handlungsanweisung behandelt. Etwas ausführlicher wird es dann weiter unten und ganz erschöpfend dann auf unserer Unterseite über die P-Konto Freibeträge behandelt. 

  • Familienangehörige, die im eigenen Haushalt leben (Mann, Frau und Kinder). 
  • Bezug von Kindergeld auf dem P-Konto.
  • Der pfändungsfreie Betrag des Arbeitseinkommens ist höher als der pauschalierte P-Konto Freibetrag
  • Einmalleistungen der Jobcenter.
  • Nachzahlungen von Sozialleistungen.
  • Besonderer Bedarf von Selbstständigen

In den meisten Fällen können die Freibeträge durch Pauschalsätze erhöht werden. Die größte Rolle spielen dabei die Unterhaltsverpflichtungen. Diese können immer durch eine normierte P-Konto Bescheinigung nachgewiesen werden. Mittels dieser Bescheinigung kann daneben das Kindergeld, die Einmalleistungen der Sozialleistungsträger und ein gesundheitlich bedingter Mehrbedarf geltend gemacht werden. 

Während bei den nicht pauschalierbaren Erhöhungsbeträgen meistens das Vollstreckungsgericht einen individuellen Freigabebeschluss erlassen muss.

Unterhaltsverpflichtungen - Kann über die P-Konto Bescheinigung nachgewiesen werden.

In erster Linie sind hier die Fälle gemeint in denen weitere Familienmitglieder im selben Haushalt leben. Dabei handelt sich in der Regel um die Ehefrau/Ehemann und die leiblichen oder adoptierten Kinder. Ausführlicher wird das weiter unten behandelt.

Unterhaltsverpflichtungen können für maximal 5 Personen bescheinigt werden. Für mehr Personen ist wieder eine individuelle Freigabeentscheidung durch das Vollstreckungsgericht bzw. der Vollstreckungsstelle erforderlich.

Für die erste Person können derzeit 443,57€ geltend gemacht werden. Bei der zweiten bis fünften Person erhöht sich der Freibetrag jeweils um 247,12€.

Kindergeld - kann ebenfalls auf der P-Konto Bescheinigung eingetragen werden.

Kindergeld ist immer vor Pfändung geschützt und erhöht den Freibetrag entsprechend. Voraussetzung ist natürlich, dass das Kindergeld auf das gepfändete Konto eingeht.

Die Höhe des Kindergeldes beträgt derzeit 204€ für das erste Kind. Für das zweite und dritte Kind gibt es jeweils 210€. Ab dem 4. Kind stehen Dir dann 235€ zu.

Das Kindergeld wird von einer geeigneten Stelle auf der gleichen Bescheinigung bestätigt, auf der auch Deine Unterhaltsverpflichtungen bescheinigt wurden. 

Einmalleistungen der Jobcenter und Sozialleistungsträger - eine Sache für die Bescheinigung nach 850k ZPO

Zu diesen Einmalleistungen könnten Zuschüsse der Jobcenter für die Klassenfahrt oder die Wohnungserstausstattung gehören. Diese Leistungen erhöhen den Pfändungsfreibetrag entsprechend und können auch bescheinigt werden.

Allerdings sollten die Einmalzahlungen nicht mit Nachzahlungen verwechselt werden. Bei Nachzahlungen wäre regelmäßig das Vollstreckungsgericht bzw. die Vollstreckungsstelle zuständig.

Besonderer Bedarf von Selbstständigen - Zuständigkeit des Vollstreckungsgerichts/Vollstreckungsstelle

Da das Pfändungsschutzrecht nicht zwischen der Herkunft des Guthabens unterscheidet, sind erstmals auch die Einkünfte von Freiberuflern und Selbstständigen vor Pfändung geschützt. Bei dieser Personengruppe greifen die pauschalierten P-Konto Freibeträge häufig nicht. Selbstständige müssen evtl Waren einkaufen, Versicherungen bezahlen oder ähnliches. Das Kontoguthaben entspricht von daher nicht dem Betrag, der tatsächlich zur Verfügung steht. Umsatz ist eben nicht gleich Gewinn!

In diesen Fällen entscheidet das Vollstreckungsgericht bzw. die Vollstreckungsstelle über eine individuelle Freigabe.

Arbeitseinkommen liegt über der Pfändungsfreigrenze

Eine sehr häufig anzutreffende Konstellation liegt vor, wenn das Einkommen höher ist als der pauschalierte P-Konto Freibetrag. Oftmals hat der Gläubiger bereits eine Lohnpfändung veranlasst und der unpfändbare Anteil übersteigt ebenso den P-Konto Freibetrag. In diesen Fällen kann das Vollstreckungsgericht/Vollstreckungsstelle die Unpfändbarkeit anordnen.

Diese Bescheinigungen reichst Du bei Deinem Kreditinstitut ein. Die neuen Freibeträge werden dann berücksichtigt.

Dritter Schritt: P-Konto Bescheinigungen bzw. Beschlüsse bei Deiner Bank einreichen

Freigabebescheinigungen und Beschlüsse bringen Dir wenig in der Schreibtischschublade. Du musst diese vielmehr aktiv bei Deinem Kreditinstitut einreichen.

Hast Du das jetzt alles erledigt ist die technische Kür absolviert. Dein P-Konto ist eingerichtet und mit den maximal möglichen Freigaben ausgestattet.

Beachte dabei aber die Fristen - Du hast nicht unbegrenzt Zeit.

Zustellungsdatum des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses, 28 Tage Moratorium und 4 Tage Umwandlungsdauer

Die Bank überweist bei einer eingehenden Pfändung nicht sofort an den Gläubiger. Vielmehr hat der Gesetzgeber einen 28-tägigen Schutzzeitraum (Moratorium) festgelegt. Diese Frist beginnt ab dem Tag der Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses (PfÜB) beim Kreditinstitut.


Im Übrigen unabhängig davon, wann Du tatsächlich von der Pfändung erfährst. Bedenke dabei, dass es nicht unbedingt selbstverständlich ist, dass Du eine Mitteilung Deiner Bank erhältst. Das Gros der Schuldner erfährt von einer Kontopfändung erst dann, wenn es kein Geld mehr gibt. Die Frist beginnt hingegen bereits mit Zustellung bei der Bank zur laufen.


Deswegen ist es durchaus die Regel, dass Dir real gar nicht mehr die 28 Tage zur Umwandlung in ein P-Konto zur Verfügung stehen. Deswegen lässt sich nicht häufig genug betonen, dass man da schnell in die Puschen kommen sollte.

P-Konto: Die theoretischen Grundlagen

Alles, was Du über das P-Konto wissen solltest

Das Pfändungsschutzkonto schafft einen Ausgleich der Interessen von Schuldnern, Gläubigern, Drittschuldnern und den Vollstreckungsgerichten / Vollstreckungsstellen

Bevor 2010 der Pfändungsschutz reformiert wurde, galten acht ganz simple Regeln:

  1. Das Konto des Schuldners war gesperrt und handlungsunfähig.
  2. Viel Arbeit für das Vollstreckungsgericht, denn nur durch dieses konnte Guthaben freigegeben werden.
  3. Lediglich Sozialleistungen und Arbeitseinkommen waren bei einer Kontopfändung geschützt.
  4. Unterscheidung nach Herkunft des Kontoguthabens.
  5. Eine Pfändung führte nicht selten zu einem Abgleiten des Schuldners in das System sozialer Transferleistungen.
  6. Kreditinstitute kündigten mitunter die Bankverbindung, was zur Kontolosigkeit der Betroffenen führte.
  7. Die Kreditinstute selbst klagten über hohe Belastungen, die ihnen auferlegt wurden, in dem diese alleine eine gesetzliche Pflicht befolgten.
  8. Die Vollstreckungsgerichte hatten jede Menge Arbeit durch die Bearbeitung von Freigabeanträgen.

Diese bis dahin geltenden Regelungen galten als nicht befriedigend. Von daher führte die Bundesregierung eine Neuregelung des Kontopfändungsschutzes ein. Ziel war eine deutliche Verbesserung der Schuldnerrechte und eine Reduzierung des Verwaltungsaufwands für Gerichte, Banken und Vollstreckungsstellen.

Um den Übergang nicht ganz so abrupt zu gestalten, galten bis 2012 beide Regelungen parallel. Dies bedeutete, dass der Schuldner wählen konnte ob er den P-Konto Schutz nutzen wollte oder die bisherige Rechtslage.

Keine Unterscheidung nach Herkunft des Kontoguthabens

Die wohl revolutionärste Neuerung beim P-Konto ist, dass es nicht mehr auf die Herkunft des Kontoguthabens ankommt. Entscheidend ist nur noch dessen Höhe. Ein privilegierter Schutz von Arbeitseinkommen oder Sozialleistungen existiert nicht mehr.

Die Überweisung von Tante Erna ist nun genauso geschützt wie die Sozialleistung oder das eingehende Arbeitseinkommen. Auf diese Weise sind jetzt erstmalig auch die Einkünfte von selbstständig Tätigen geschützt.

Das Prinzip des Kalendermonats

Beim P-Konto zählt immer das Kontoguthaben innerhalb eines Kalendermonats. Es macht also durchaus einen Unterschied, ob eine Zahlung am 31. Mai oder aber erst am 1. Juni eingeht.

Im ersten Fall würde die Zahlung dem Mai zugeordnet, während im letzteren Fall das Guthaben für den Kalendermonat Juni gelten würde.

Es gilt das Zufluss-Prinzip!

Es ist ganz wichtig, sich dieses Prinzips bewusst zu sein. Denn gerade in der Anfangszeit des Pfändungsschutzkontos kam es häufiger zu der problematischen Konstellation, dass innerhalb desselben Kalendermonats zwei Gehaltszahlungen auf das gepfändete Konto eingingen, die allerdings für unterschiedliche Leistungszeiträume bestimmt waren.

Dazu ein kleines Beispiel:

Peter hat am 31.08. ein Kontoguthaben von genau 1.000 Euro. Just an diesem Tag geht bei seiner Bank der Pfändungs- und Überweisungsbeschluss ein. Peter führt sein Konto als Pfändungsschutzkonto. Nun möchte Peter am 31.08. diese 1.000 Euro abheben. 

Das darf er problemlos tun. Alles was vor Eingang der Pfändung verfügt wurde ist unerheblich. Zum Zeitpunkt der Pfändung beträgt das Kontoguthaben exakt 1.000 Euro und über diese darf er auch verfügen. Vollkommen unerheblich, dass bereits der Monatsletzte ist. Es gilt immer der Kalendermonat und sonst nichts!

Am 01.09., also genau ein Tag später beginnt dann der nächste Kalendermonat, innerhalb dessen er erneut über seinen individuellen Freibetrag verfügen darf.

Übertrag von nicht verbrauchtem Freibetrag in den Folgemonat

Prinzipiell empfehlen wir allen Schuldnern, möglichst über den kompletten Freibetrag innerhalb des jeweiligen Kalendermonats zu verfügen. Damit umgeht man elegant und einfach sämtlichen Komplikationen, die mit einem Übertrag einhergehen können.

Manchmal lässt es sich jedoch nicht vermeiden. Für diese Fälle hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass ein nicht verbrauchter Freibetrag einmal in den Folgemonat übertragen werden darf.

Paragraph
"Soweit der Schuldner in dem jeweiligen Kalendermonat nicht über Guthaben in Höhe des nach Satz 1 pfändungsfreien Betrages verfügt hat, wird dieses Guthaben in dem folgenden Kalendermonat zusätzlich zu dem nach Satz 1 geschützten Guthaben nicht von der Pfändung erfasst."

First in - First out Prinzip

Hast Du beim P-Konto nicht verbrauchtes Guthaben in den Folgemonat übertragen, heisst es jetzt durchaus aufpassen. In jedem Fall musst Du im Folgemonat mindestens über den Betrag verfügen, den Du übertragen hast. Tust Du dies nicht wird der Differenzbetrag unweigerlich an den oder die Gläubiger ausgekehrt. 

Und das unabhängig davon, ob Du im Folgemonat den Freibetrag überschreitest oder nicht

Hierbei gilt das First in - First out Prinzip. Das bedeutet, dass das Guthaben welches zuerst auf dem Pfändungsschutzkonto einging auch als erstes angerechnet wird. Bei übertragenem Guthaben ist dies regelmäßig der übertragene Betrag.

Ansparen auf dem P-Konto

In den Hartz IV Regelsätzen ist ein gewisser Betrag eingepreist, der für unvorhergesehene Ausgaben gedacht ist. Geht die Waschmaschine kaputt oder gibt das Fernsehgerät seinen Geist auf, bekommen Leistungsbezieher in der Regel keine Einmalleistungen.

Vielmehr wird erwartet, dass Hartz 4 Bezieher aus ihren monatlichen Bezügen einen Betrag für solche Angelegenheiten zurücklegen.

Analoges hat der Gesetzgeber auch für das P-Konto vorgesehen. In der ursprünglichen Begründung zur Gesetzesvorlage war die Möglichkeit des Ansparens ausdrücklich vorgesehen.

Tatsächlich ist ein solches Ansparen möglich, doch steckt das Ansparen auf dem Pfändungsschutzkonto, wie bereits oben angerissen, voller praktischer Fallstricke. In ungünstigen Konstellationen kann es sogar dazu kommen, dass Kontoguthaben an den Gläubiger überwiesen wird, obwohl zu keinem Zeitpunkt der individuelle Freibetrag überschritten wurde.

Das Ansparen auf dem Pfändungsschutzkonto kann sich mitunter als große Pfändungsfalle entpuppen. Passe da bitte immer genau auf!

Vorsicht Pfändungsfalle!

Wird ein nicht aufgebrauchter Freibetrag in den Folgemonat übertragen, muss im Folgemonat mindestens in Höhe des übertragenen Betrags verfügt werden. Ansonsten wird ausgekehrt!

Beispiel Paula Sorglos.

Paula hat im Januar von 500 Euro Kontoguthaben nur 400 Euro verbraucht. Es wurden also exakt 100 Euro in den Februar übertragen. Im Februar kamen erneut 500 Euro vom Jobcenter auf ihr Konto. Ihr Guthaben im Februar beträgt jetzt also genau 600 Euro. Beträge also, die weit weg vom Basisfreibetrag sind. 

"Kann nichts passieren", dachte Paula und ließ das komplette Guthaben auf dem Konto. Der Kühlschrank war voll und auch sonst benötigte Paula im Februar kein Geld.

Das böse Erwachen kann dann im März als die Bank 100 Euro an Paulas Gläubiger auskehrte. Wie kann das sein dachte Paula. Ich war doch nicht eine Sekunde über meinem Freibetrag?

Paula war in die Pfändungsfalle getappt. Also bitte immer gewaltig aufpassen, wenn ein nicht verbrauchter Freibetrag in den Folgemonat übertragen werden soll. Besser ist es, jeden Kalendermonat möglichst komplett über sein Kontoguthaben zu verfügen.

Das Kopfkissen oder der Sparstrumpf sind zum Ansparen deutlich besser geeignet als das Pfändungsschutzkonto!

Anordnung der Unpfändbarkeit durch das Vollstreckungsgericht (§ 850l ZPO)

Es gibt noch eine nur sehr selten genutzte Möglichkeit, sein Guthaben auf dem P-Konto zu schützen. Diese kann immer dann greifen, wenn das Kontoguthaben der letzten 6 Monate sich unterhalb der Pfändungsfreigrenze bewegte und auch in den nächsten 12 Monaten nichts anderes zu erwarten ist.

Wir weisen gleich zu Beginn darauf hin, dass es sich hierbei um eine "Kann-Vorschrift" handelt und nicht etwa um eine zwingend durchsetzbare Rechtsvorschrift. Dennoch ist es beispielsweise für langjährige Bezieher von Sozialleistungen ("Langzeitarbeitslose, Sozialrentner") eine praktikable Möglichkeit für "Ruhe im P-Konto Stall" zu sorgen.

Das Vollstreckungsgericht kann die Anordnung der Unpfändbarkeit für einen Zeitraum von bis zu einem Jahr aussprechen.

Zuständig hierfür ist stets das Vollstreckungsgericht. Dies gilt selbst dann, wenn es sich bei dem Gläubiger um einen öffentlichen Gläubiger handelt. Denn bei einer Entscheidung nach § 850l ZPO wird das komplette Konto pfändungsfrei gestellt, ganz egal, wer pfänden möchte.

Der Vorteil hierbei ist, dass der Schuldner frei über sein Kontoguthaben verfügen kann, ohne sich um Freibeträge, Guthabenübertragungen in den Folgemonat oder sonstige Einschränkungen kümmern muss.

Mehr Infos zur Anordnung der Unpfändbarkeit findest Du hier.

Einen Musterantrag zur Anordnung der Unpfändbarkeit nach §850l ZPO findest Du hier (PDF-Datei)

Neues aus unserem Blog:

>