​​​​P-Konto Leitfaden 2020 – Schritt für Schritt Anleitung

In 3 einfachen Schritten zum Pfändungsschutzkonto

Du brauchst immer und ausnahmslos ein P-Konto, wenn Du verhindern möchtest, dass Dein Kontoguthaben restlos an den Gläubiger ausgekehrt wird. Hier erfährst Du, wie Du in drei einfachen Schritten Dein Konto in ein P-Konto umwandeln kannst.

Das P-Konto schützt Dich vor den verheerenden Folgen einer Kontopfändung! - Eine Schritt für Schritt Anleitung.

Dein Konto ist gepfändet? Auf einmal will Dir Deine Bank kein Geld mehr auszahlen? Der Bankautomat hat gar Deine Karte eingezogen? Du weißt nicht, was Du jetzt tun kannst? 

Keine Sorge!

Wir zeigen Dir hier Schritt für Schritt wie Du am schnellsten wieder zu einem handlungsfähigen Konto gelangst. Und keine Sorgen, du wirst hier kein kompliziertes Juristen-Deutsch lesen, sondern eine klar nachvollziehbare Anleitung in verständlicher Sprache. 

Wenn Du bereit bist, dann können wir jetzt loslegen.

P-Konto ist kompliziert? - Bei uns nicht! 

1. Kannst Du die Forderung bezahlen oder eher nicht?

Das ist die erste Frage, die Du Dir nach Eingang einer Kontopfändung stellen solltest. 

1.1 Ja, ich kann bezahlen - Zahlungsauftrag an Bank und das Konto ist wieder frei

Ist der Betrag überschaubar und Du kannst ihn bezahlen, ohne in Existenznöte zu kommen, dann wäre hiermit die Kontopfändung erledigt. Du erteilst Deiner Bank den Zahlungsauftrag und hebst damit die Kontopfändung auf. Dein Konto ist sofort wieder handlungsfähig und alles ist gut.

1.2 Nein, ich kann nicht bezahlen - Jetzt brauchst Du ein Pfändungsschutzkonto (P-Konto)

Du musst wissen, dass Dich nur das P-Konto vor den Folgen der Kontopfändung schützen kann. In der Basisausstattung ist Dein Kontoguthaben bis 1.178,89€ geschützt. Weitere Freibeträge sind möglich - dazu später hier mehr Informationen.

Für den Moment geht es jetzt darum, dass Du so schnell wie möglich Dein Konto in ein Pfändungsschutzkonto umwandelst. Denn hierfür hast Du nicht unbegrenzt Zeit. Wartest Du zulange wird die Bank Dein Guthaben an den Gläubiger überweisen. Dann wäre Dein Geld unwiederbringlich weg. Aber das wollen wir ja nicht!

Wenn Du bei einer Kontopfändung nicht bezahlen kannst, benötigst Du ein P-Konto. 

Schritt 1: Gehe zur Bank und wandle Dein Girokonto in ein P-Konto um!

2. Ein P-Konto ist jetzt Pflicht (Pfändung auf Konto aber nicht zur Zahlung in der Lage)

Hier geht es jetzt darum, wie Du möglichst rasch an Dein Pfändungsschutzkonto kommst. Denn jetzt musst Du selbst aktiv werden!.Hierin unterscheidet sich die Kontopfändung gravierend von der Lohnpfändung. Bei der Lohnpfändung zieht Dein Arbeitgeber den pfändbaren Betrag Deines Lohnes ab und überweist Dir den Rest. Hingegen ganz anders verhält es sich bei der Kontopfändung. 

Es gibt nur auf dem P-Konto Schutz. Bleibst Du inaktiv und wandelst Dein Girokonto nicht um wird gepfändet und sämtliches verwertbare Guthaben an den Gläubiger ausgekehrt.

Um dies zu verhindern hat der Gesetzgeber eine vierwöchige Schutzfrist festgelegt, innerhalb der die Bank nicht auskehren darf. Zeit für Dich zu handeln und Dich um die Einrichtung des Pfändungsschutzes zu kümmern.

2.1 Der erste Schritt nach einer Kontopfändung - Du gehst zu Deiner Bank oder Sparkasse und wandelst Dein Girokonto in ein P-Konto um.

Mit diesem wichtigen Schritt sicherst Du Dir Deinen Basisschutz in Höhe von derzeit 1.178,59€. Hierdurch hast Du Dir den Sockelfreibetrag gesichert. Die Bank benötigt von Dir keine Nachweise oder Bescheinigungen. Vielmehr handelt es sich um eine Pauschale, welche nachweisfrei gewährt wird. Ab jetzt kannst Du jeden Kalendermonat frei über diesen Betrag verfügen.

Exkurs: Die Wichtigsten Fakten zum Pfändungsschutzkonto!

Die Keyfakten zum P-Konto

  • Die Bank ist zur Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto gesetzlich verpflichtet. Sie darf nicht ablehnen. Es besteht ein Kontrahierungszwang!
  • Umwandlung muss bis zum 4. auf die Antragstellung folgenden (Bank-)Tag abgeschlossen sein. 
  • Spätestens 28 Tage nach Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses (PfÜB) muss das Konto in ein P-Konto gewandelt sein. Ansonsten geht der rückwirkende Schutz verloren.
  • Ein Guthaben je Kalendermonat in Höhe von 1.178,59€ ist vor Pfändung geschützt - ohne Nachweise.

Sonderfälle: Gemeinschaftskonten und dauerhaft überzogene Konten

Es gibt noch zwei Sonderfälle bei der Umwandlung zu berücksichtigen:

1. Fall: Das gepfändete Konto ist ein Gemeinschaftskonto. Wenn dies der Fall ist, müsste dieses aufgelöst werden und Du dann ein neues Konto aufmachen, welches Du dann als Pfändungsschutzkonto führst. Denn Gemeinschaftskonten können eben nicht umgewandelt werden. Weiter unten, wenn es dann theoretisch wird, kannst Du näheres dazu lesen.

2. Fall: Das gepfändete Konto ist stark und dauerhaft überzogen. Hier spricht man von einem so genannten debitorischen Konto. Da der Pfändungsschutz sich lediglich auf Kontoguthaben bezieht,  machen überzogene Konten beständig Probleme. Also auch hier entweder mit der Bank eine Rückzahlungsvereinbarung treffen oder auf das sogenannte "Zwei-Konten Modell" wechseln. Hierzu dann weiter unten ebenso mehr.

Wir wollen aber jetzt weiter fortfahren mit dem Handlungsleitfaden. Du hast jetzt Dein P-Konto eingerichtet und den Basisschutz gesichert. Jetzt musst Du prüfen, ob Dir vielleicht Freibetragserhöhungen zustehen.

2. Schritt: Prüfe, ob Dir Freibeträge zustehen und besorge die entsprechenden Bescheinigungen

3. Der zweite Schritt: Prüfe ob Dir Freibetragserhöhungen zustehen

Oftmals reicht der Grundfreibetrag nicht aus und Dir können Freibetragserhöhungen zustehen. Der Gesetzgeber hat einige davon ausdrücklich genannt. Die fünf Wichtigsten werden hier in der Handlungsanweisung behandelt. Etwas ausführlicher wird es dann weiter unten und ganz erschöpfend dann auf unserer Unterseite über die P-Konto Freibeträge behandelt. 

  • Familienangehörige, die im eigenen Haushalt leben (Mann, Frau und Kinder). 
  • Kindergeld.
  • der pfändungsfreie Betrag des Arbeitseinkommens ist höher als der pauschalierte P-Konto Freibetrag
  • Einmalleistungen der Jobcenter
  • Nachzahlungen von Sozialleistungen
  • Besonderer Bedarf von Selbstständigen
  • In den meisten Fällen können die Freibeträge durch Pauschalsätze erhöht werden. Die größte Rolle spielen dabei die Unterhaltsverpflichtungen. Diese können immer durch eine normierte P-Konto Bescheinigung nachgewiesen werden. Mittels dieser Bescheinigung kann daneben das Kindergeld, die Einmalleistungen der Sozialleistungsträger und ein gesundheitlich bedingter Mehrbedarf geltend gemacht werden. 

    Während bei den nicht pauschalierbaren Erhöhungsbeträgen meistens das Vollstreckungsgericht einen individuellen Freigabebeschluss erlassen muss.

    3.1 Unterhaltsverpflichtungen - Kann über die P-Konto Bescheinigung nachgewiesen werden.

    In erster Linie sind hier die Fälle gemeint in denen weitere Familienmitglieder im selben Haushalt leben. Dabei handelt sich in der Regel um die Ehefrau/Ehemann und die leiblichen oder adoptierten Kinder. Ausführlicher wird das weiter unten behandelt.

    Unterhaltsverpflichtungen können für maximal 5 Personen bescheinigt werden. Für mehr Personen ist wieder eine individuelle Freigabeentscheidung durch das Vollstreckungsgericht bzw. der Vollstreckungsstelle erforderlich.

    Für die erste Person können derzeit 443,57€ geltend gemacht werden. Bei der zweiten bis fünften Person erhöht sich der Freibetrag jeweils um 247,12€.

    3.2 Kindergeld - kann ebenfalls auf der P-Konto Bescheinigung eingetragen werden.

    Kindergeld ist immer vor Pfändung geschützt und erhöht den Freibetrag entsprechend. Voraussetzung ist natürlich, dass das Kindergeld auf das gepfändete Konto eingeht.

    Die Höhe des Kindergeldes beträgt derzeit 204€ für das erste Kind. Für das zweite und dritte Kind gibt es jeweils 210€. Ab dem 4. Kind stehen Dir dann 235€ zu.

    Das Kindergeld wird von einer geeigneten Stelle auf der gleichen Bescheinigung bestätigt, auf der auch Deine Unterhaltsverpflichtungen bescheinigt wurden. 

    3.3 Einmalleistungen der Jobcenter und Sozialleistungsträger - eine Sache für die Bescheinigung nach 850k ZPO

    Zu diesen Einmalleistungen könnten Zuschüsse der Jobcenter für die Klassenfahrt oder die Wohnungserstausstattung gehören. Diese Leistungen erhöhen den Pfändungsfreibetrag entsprechend und können auch bescheinigt werden.

    Allerdings sollten die Einmalzahlungen nicht mit Nachzahlungen verwechselt werden. Bei Nachzahlungen wäre regelmäßig das Vollstreckungsgericht bzw. die Vollstreckungsstelle zuständig.

    3.4 Besonderer Bedarf von Selbstständigen - Zuständigkeit des Vollstreckungsgerichts/Vollstreckungsstelle

    Da das Pfändungsschutzrecht nicht zwischen der Herkunft des Guthabens unterscheidet, sind erstmals auch die Einkünfte von Freiberuflern und Selbstständigen vor Pfändung geschützt. Bei dieser Personengruppe greifen die pauschalierten P-Konto Freibeträge häufig nicht. Selbstständige müssen evtl Waren einkaufen, Versicherungen bezahlen oder ähnliches. Das Kontoguthaben entspricht von daher nicht dem Betrag, der tatsächlich zur Verfügung steht. Umsatz ist eben nicht gleich Gewinn!

    In diesen Fällen entscheidet das Vollstreckungsgericht bzw. die Vollstreckungsstelle über eine individuelle Freigabe.

    3.5 Arbeitseinkommen liegt über der Pfändungsfreigrenze

    Eine sehr häufig anzutreffende Konstellation liegt vor, wenn das Einkommen höher ist als der pauschalierte P-Konto Freibetrag. Oftmals hat der Gläubiger bereits eine Lohnpfändung veranlasst und der unpfändbare Anteil übersteigt ebenso den P-Konto Freibetrag. In diesen Fällen kann das Vollstreckungsgericht/Vollstreckungsstelle die Unpfändbarkeit anordnen.

    3. Schritt: Diese Bescheinigungen reichst Du bei Deinem Kreditinstitut ein. Die neuen Freibeträge werden dann berücksichtigt.


    4. P-Konto Bescheinigungen bzw. Beschlüsse bei Deiner Bank einreichen

    Freigabebescheinigungen und Beschlüsse bringen Dir wenig in der Schreibtischschublade. Du musst diese vielmehr aktiv bei Deinem Kreditinstitut einreichen.

    Hast Du das jetzt alles erledigt ist die technische Kür absolviert. Dein P-Konto ist eingerichtet und mit den maximal möglichen Freigaben ausgestattet.

    Beachte dabei aber die Fristen - Du hast nicht unbegrenzt Zeit.

    5. Zustellungsdatum des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses, 28 Tage Moratorium und 4 Tage Umwandlungsdauer

    Die Bank überweist bei einer eingehenden Pfändung nicht sofort an den Gläubiger. Vielmehr hat der Gesetzgeber einen 28-tägigen Schutzzeitraum (Moratorium) festgelegt. Diese Frist beginnt ab dem Tag der Zustellung des Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses (PfÜB) beim Kreditinstitut.

    Im Übrigen unabhängig davon, wann Du tatsächlich von der Pfändung erfährst. Bedenke dabei, dass es nicht unbedingt selbstverständlich ist, dass Du eine Mitteilung Deiner Bank erhältst. Das Gros der Schuldner erfährt von einer Kontopfändung erst dann, wenn es kein Geld mehr gibt. Die Frist beginnt hingegen bereits mit Zustellung bei der Bank zur laufen.

    Deswegen ist es durchaus die Regel, dass Dir real gar nicht mehr die 28 Tage zur Umwandlung in ein P-Konto zur Verfügung stehen. Deswegen lässt sich nicht häufig genug betonen, dass man da schnell in die Puschen kommen sollte.

    P-Konto: Die theoretischen Grundlagen

    6. Das Pfändungsschutzkonto schafft einen Ausgleich der Interessen von Schuldnern, Gläubigern, Drittschuldnern und den Vollstreckungsgerichten / Vollstreckungsstellen

    Bevor 2010 der Pfändungsschutz reformiert wurde, galten acht ganz simple Regeln:

    1. Das Konto des Schuldners war gesperrt und handlungsunfähig.
    2. Viel Arbeit für das Vollstreckungsgericht, denn nur durch dieses konnte Guthaben freigegeben werden.
    3. Lediglich Sozialleistungen und Arbeitseinkommen waren bei einer Kontopfändung geschützt.
    4. Unterscheidung nach Herkunft des Kontoguthabens.
    5. Eine Pfändung führte nicht selten zu einem Abgleiten des Schuldners in das System sozialer Transferleistungen.
    6. Kreditinstitute kündigten mitunter die Bankverbindung, was zur Kontolosigkeit der Betroffenen führte.
    7. Die Kreditinstute selbst klagten über hohe Belastungen, die ihnen auferlegt wurden, in dem diese alleine eine gesetzliche Pflicht befolgten.
    8. Die Vollstreckungsgerichte hatten jede Menge Arbeit durch die Bearbeitung von Freigabeanträgen.

    Diese bis dahin geltenden Regelungen galten als nicht befriedigend. Von daher führte die Bundesregierung eine Neuregelung des Kontopfändungsschutzes ein. Ziel war eine deutliche Verbesserung der Schuldnerrechte und eine Reduzierung des Verwaltungsaufwands für Gerichte, Banken und Vollstreckungsstellen.

    Um den Übergang nicht ganz so abrupt zu gestalten, galten bis 2012 beide Regelungen parallel. Dies bedeutete, dass der Schuldner wählen konnte ob er den P-Konto Schutz nutzen wollte oder die bisherige Rechtslage.

    6.1 Keine Unterscheidung nach Herkunft des Kontoguthabens

    Die wohl revolutionärste Neuerung beim P-Konto ist, dass es nicht mehr auf die Herkunft des Kontoguthabens ankommt. Entscheidend ist nur noch dessen Höhe. Ein privilegierter Schutz von Arbeitseinkommen oder Sozialleistungen existiert nicht mehr.

    Die Überweisung von Tante Erna ist nun genauso geschützt wie die Sozialleistung oder das eingehende Arbeitseinkommen. Auf diese Weise sind jetzt erstmalig auch die Einkünfte von selbstständig Tätigen geschützt.

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